HOMEPAGE - Galerie Walter Habdank, Berg/Lkr Starnberg

Homepage
Informationen

 

 Ausstellung



 



Schalom Ben-Chorin schrieb über Walter Habdank

... mehr


Jakobstraum

(Walter Habdank, Farbholzschnitt 1991)
Bildbetrachtung von Heinz Reperich

 

Was sich wie massiger Urgrund, felsenhaft gewaltig, in dämmrigem Blau ausnimmt, mit schwarzen Flecken, die alles noch dunkler erscheinen lassen - so fängt es ein erster flüchtiger Blick wohl ein, - das ist die Gestalt eines Menschen, der sich niedergelegt hat, bequem oder unbequem ruhend, nur leicht berührt von einer Lichtsäule, die empor steigt, zum oberen Rand des Bildes, und nicht verrät, wie und wo sie endet.

Dort, wo sie die Erde berührt, zeigen sich die Holme einer Leiter, die in der Lichtsäule auch weiter aufwärts sparsam sichtbar werden.

Lodernde Flammen möchte man vermuten, die die Leiter einhüllen. Aber das ist es nicht. Aus dem mächtigen Feuerschein blicken Augen den Betrachter an. Augen von Wesen, die nicht leicht zu erkennen sind. Augen, die wohl auch den Schlafenden am Boden im Blick haben. Nicht unbeteiligt, uninteressiert, sondern wach, aufmerksam, werbend zugewandt. Der Schlafende nimmt sie nicht wahr. Sein Kopf ist zur Seite gewandt, auf etwas ruhend, das wohl der Stein sein möchte, der in den Ereignissen der Jakobsgeschichte (Gen 28) so bedeutsam werden sollte.

Jakob ist es, Jakob, der hier schläft, träumt, die Leiter in seinen Träumen sieht, und Engel, die auf- und niedersteigen. Jakob, der nicht erkennen kann, dass sein Traum lebendige Wirklichkeit ist. Fest verschlossen sind seine Augen. Das von anstrengenden Ereignissen gezeichnete Gesicht ist von dem leichten Schleier der Ruhe, der Zufriedenheit, der Gelassenheit überzogen.

Wenig nur ist angerührt von den Boten, die sich wie Feuer über ihn ergießen. Ein feiner, silbriger Schimmer zeichnet sich auf seinen Gliedern ab. Und doch: seine Rechte weist hinauf zu dem Geschehen, das seinen Traum erfüllt und sein Leben prägen wird.

Empfangend geöffnet, ergreift die Hand die Verheißung, die aus der Fülle göttlichen Lichts auf ihn niederströmt. Die sieben Boten sind die Schlüssel, die sich ihm bieten. So arglos er scheint, er ist ganz ausgeliefert der Zusage, die Gottes Gegenwart erkennen lässt. Jakobs Traum verblasst nicht flüchtig. Der Traum lässt ihn die Gegenwart Gottes erahnen und lädt ein, selber die Leiter zu erklimmen, die ins Licht führt, hin zu jenem Gipfel, der im Bild keine farbliche Darstellung, keinen künstlerischen Ausdruck mehr finden kann.
 

 

© Galerie Habdank - Friedgard Habdank, Inhaberin Maxhöhe 34, D-82335 Berg am Starnberger See
100.621 606.845 5.105