HOMEPAGE - Galerie Walter Habdank, Berg/Lkr Starnberg

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Schalom Ben-Chorin schrieb über Walter Habdank

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Mahnmal Petersbrunn
Rede von Pfarrer Johannes Habdank beim KZ-Gedenkzug am 28. April 2012 

 

 

 

Schwer und für sein Leben lang getroffen und geprägt haben Walter Habdank, meinen Vater, der diesen Gedenkstein geschaffen hat, die Bilder von den KZ-Öffnungen nach Ende des Kriegs. Er war damals 15 Jahre alt. Diese Bilder gingen ihm immer nach, bis zu seinem Tod im Jahre 2001.
Er hat sie für sich aufzuarbeiten versucht durch seine eigenen Werke, in vielen Bildern, Holzschnitten, und zum Gedenken an die Opfer des Holocaust in Denkmälern, hier und woanders, in Bruchsal und in Rotten-münster. Es ist dieses sein erstes Denkmal für die KZ-Gestalten dieses Zuges aus dem KZ Dachau ins Unbekannte. Das Schicksal dieser Menschen hat meinen Vater bleibend tief berührt und beschäftigt, in der Folge – durch dieses Urerlebnis als Jugendlicher entsprechend sensibilisiert – auch die Schicksale von Menschen in sowjetischen Arbeitslagern, wie sie von Solschenizyn im Archipel Gulag beschrieben sind. Oder wie sie die Berichte von Amnesty International aus vielen Foltergefängnissen und Todeszellen in aller Welt schildern. Darüber sind viele seiner Holzschnitte entstanden. Das unüberbietbare, wahrlich diabolische Gräuel blieb für ihn aber immer der Holocaust an den Juden – und den vielen anderen, die von den Nazis kaputt gemacht und vernichtet wurden, derer wir hier gedenken. Sehen wir uns dieses Denkmal näher an:
Es ist in Kreuzform gestaltet, vorsichtig, um die Opfer nicht christlich zu vereinnahmen. Viele waren Juden, viele aber auch politische Gefangene oder Sinti und Roma. Für sie alle war es ein bitterer Kreuzweg.
Der Stein wiegt etwa acht Tonnen schwer. Er wird dennoch die Schwere des Schicksals jener Menschen von damals nicht annähernd aufwiegen können.
Die Schrift ist aus Eisen. Eisenhart war das Diktat und die unmenschliche Zumutung für die Menschen dieses Zuges. Die Schrift, also der Querbalken des Kreuzes, ist schwer lesbar, unzumutbar für heutige Augen, die schnelles Wahrnehmen und Lesen gewöhnt sind. Darüber beschweren sich heute auch manche, die hierher kommen. Es ist aber Absicht dieser Gestaltung: Genau diese Mühsamkeit soll – kann es aber natürlich nur völlig unzulänglich – die Mühen und Strapazen der Menschen damals wenigstens im Entferntesten erahnen lassen. Und die ungeordnet-geordnete Anordnung der Buchstaben soll die ungeordnet-geordnete Anordnung der Menschen wiedergeben, die in diesem Zug durch unsere Landschaft quälend getrieben wurden. In Ketten gelegt – verkettet - gefangen - kein Ausweg, in Dachau nicht, und auf diesem Weg hier auch nicht.
Jeder Buchstabe symbolisiert ein unvergleichliches Individuum, kein Buchstabe ist gleich oder wieder ein anderer, jeder steht ganz konkret für einen Menschen. Und doch werden sie alle in eine depersonalisierende, entwürdigende Reihung gezwungen. So war es.
Der Schrift-Zug zeigt nach oben, von links nach rechts geht es aufwärts – wohin? Das wird klar, wenn wir diesen Schriftzug entziffern:

 

AUF DIESER STRASSE
WURDEN IN DEN LETZTEN TAGEN DES 2. WELTKRIEGES
MEHR ALS SIEBENTAUSEND GEFANGENE AUS DEM KONZENTRATIONS-
LAGER DACHAU IN EIN UNGEWISSES DUNKLES SCHICKSAL GETRIEBEN
FÜR VIELE FÜHRTE DIESER LEIDENSWEG IN DEN TOD.
SIE WAREN OPFER EINER MENSCHENVERACHTENDEN GEWALTHERRSCHAFT
SIE RUFEN UNS AUF ZU VERSÖHNUNG UND NÄCHSTENLIEBE
- GOTT WIRD DEN TOD VERSCHLINGEN AUF EWIG
DER HERR WIRD ABWISCHEN DIE TRÄNEN VON JEDEM ANGESICHT
JESAJA 25,8

 

Spruch des Propheten – Gott segne ihn an uns allen. Amen.

 

© Galerie Habdank - Friedgard Habdank, Inhaberin Maxhöhe 34, D-82335 Berg am Starnberger See
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